Der Kis-Balaton war früher die größte südwestliche Bucht und mit seiner weitläufigen Sumpfwelt seit 2000 Jahren ein natürlicher biologischer Filter des Balatons (Plattensee). Durch Ablagerungen des Balatonzuflusses Zala, durch Vertorfung und gerade durch massive menschliche Eingriffe seit Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zur Abtrennung vom Balaton. Große Teile des alten Kis-Balatons verschwanden. Von einst 60 km² Wasserfläche verblieb nur ein halber km². Dieses Restgebiet wurde 1952 unter Naturschutz gestellt. Das Sumpfgebiet verlor jedoch seine natürliche Reinigungs- und Schutzfunktion für den Balaton und die berühmten Reiher-Kolonien waren stark bedroht.
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts begann der Balaton langsam zu verschlicken und verlor sein biologisches Gleichgewicht. Die negative Veränderung der Wasserqualität war in der flachen Bucht von Keszthely am auffälligsten, so kam es im Sommer 1966 durch die hohe anorganische Nährstoffbelastung der Zala zu einer
Blaualgenblüte. Um die Emissionswerte wieder zu senken, wurde 1976 mit der
Renaturierung des Kis-Balatons begonnen.
Heute dehnt sich der Kis-Balaton wieder auf 22 Kilometern Länge mit einer Speicherkapazität von 28 Millionen Kubikmetern aus. Sein Wasserspiegel liegt ein bis zwei Meter über dem des Balatons. Die zwei inneren Seen (Fenéker und Hídvéger Becken) sind als Teil des Kis-Balaton-Schutzsystems wieder ein natürlicher, biologischer Sumpffilter für das Wasser des Balatons. Geplant ist bis 2012 eine Erweiterung des Schutzgebietes.
Das Gebiet ist in Europa einmalig mit seiner Luft und dem Licht, seiner
Flora und Fauna. Im Netz der europäischen Naturlebensräume ist es ein wichtiger ökologischer, artenreicher Raum. In dem moorigen Feuchtbiotop leben zahlreiche, auch (streng) geschützte Fisch-, Pflanzen-, Reptilien- und Vogelarten.
1979 wurde der Kis-Balaton in die Ramsar-Konvention zum „Schutz international bedeutsamer Feuchtgebiete“ aufgenommen. Seit 1997 ist er Teil des Nationalparks Balaton-Oberland (Balaton-Felvidéki Nemzeti Park). Er gehört zum Schutzgebietssystem Natura 2000 der Europäischen Union. Vom 18.000 Hektar großen naturgeschützten Gesamtgebiet des Kis-Balatons sind über 1400 Hektar besonders geschützt. Dieses Gebiet darf nur unter fachlicher Touren-Begleitung begangen werden. Der Parkwald (Vörsi Parkerdő) mit der Kis-Balaton-Insel Mariaasszony bei Vörs, die Milanenburg-Insel (Kányavár sziget) und das Büffelreservat (Bivaly reservatum) bei Balatonmagyaród sind frei besuchbar.
Kleiner-Plattensee
Büffelreservat am Kis-Balaton
Büffel sind seit mehreren hundert Jahren im Karpatenbecken beheimatet und zählen zu den ältesten ungarischen Tierrassen. Noch am Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Ungarn mindestens 100.000 Tiere. Die Magyaren benutzten sie als Zugtiere und zur Milch- und Fleischgewinnung. Es war die Grafenfamilie Festetics, welche um 1800 die ersten Büffel (Bos bubalus domesticus) auf ihren Weiden neben dem Sumpfgebiet des Kis-Balaton ansiedelte. Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich dies jedoch rapide, da die Arbeitskraft der Büffel immer mehr von Landmaschinen und Traktoren ersetzt wurde. Die wenigen Tiere, die in der Kápolnapuszta, in der Nähe des Balaton, noch existierten, wurden nicht mehr als Arbeitstiere gehalten. So mussten sie als Touristenattraktion überleben. 1992 begann in der Kápolnapuszta, seit 1997 Teil des Nationalparks Balaton-Oberland, eines der ungewöhnlichsten Tierschutz- und Zuchtprogramme Ungarns. Die Büffelpopulation erhöhte sich von 16 auf mehr als 200 Tiere. Die Weideflächen des Reservats reichten nicht mehr aus, und so wurden 2007 120 Muttertiere und Kälber in die Puszta bei Zalavár umgesiedelt, um mit den dort vorhandenen 80 Färsen die 200 Hektar großen Wiesenflächen des Nationalparks zu beweiden.
Im Reservat verblieben ca. 100 Büffel, dazu wurde eine Herde der altungarischen Graurinder (Bos primigenius hungaricus) angesiedelt. Diese Tiere wurden früher ebenfalls bei der Feldarbeit eingesetzt. Da sie sich wie die Büffel trotz ihres hervorragenden Fleisches nicht zur Massenproduktion eignen, verringerte sich die Anzahl von 80.000 Stück in den 1940er-Jahren auf wenige Hundert in ganz Ungarn.

Im Büffelreservat
Den Büffeln und Graurindern in Ungarn wird wieder ihr natürlicher Lebensraum gegeben, und im 2002 errichteten Ausstellungszentrum wird die Geschichte der Haltung dieser Tiere und die alte bäuerliche Lebenswelt des Kis-Balatons vorgestellt.
Infrastruktur
Orte um den Balaton
- Nordufer: Balatonfűzfő - Balatonkenese - Balatonalmádi
- Südufer: Balatonfenyves - Balatonkeresztúr - Balatonmáriafürdő - Balatonszentgyörgy
- Südostufer: Balatonvilágos - Siófok - Zamárdi - Szántód - Balatonföldvár - Balatonszárszó - Balatonszemes - Balatonlelle - Balatonboglár - Fonyód
- Nordwestufer: Keszthely - Gyenesdiás - Vonyarcvashegy - Szigliget - Badacsony - Badacsonytomaj - Ábrahámhegy - Révfülöp - Balatonszepezd - Balatonakali - Balatonudvari - Aszófő - Tihany - Balatonfüred - Csopak - Alsóörs - Balatongyörök
Verkehr
Der Balaton ist für den Tourismus sehr gut erschlossen. 1861 wurde am Südufer eine Bahnlinie erbaut, um Budapest mit dem österreichischen Seehafen in Triest zu verbinden. 1909 wurde die nördliche Bahnlinie eröffnet. Jeder Ort am Balaton ist mit dem Zug zu erreichen. Größere Orte sind über das InterCity-Netz gut an Budapest und andere Städte angebunden. Im lokalen Verkehr sind die meisten Züge mit Fahrradabteilen ausgestattet.
Für Querverbindungen abseits der Bahntrassen sorgen Fernbusse. Am westlichen Ende des Balaton liegt der Flughafen Balaton in Sármellék, der regelmäßig von deutschen Flughäfen aus angeflogen wird. In der Nähe von Siófok gibt es einen regionalen Flughafen in Kiliti.
Die Autobahn M 7 führt direkt von Budapest am Balaton-Südufer entlang bis zur ungarisch-kroatischen Grenze, wo die M 7 Anschluss an die kroatische Autobahn A4 nach Zagreb und Split hat. Seit Oktober 2008 ist die Autobahn durchgehend befahrbar. Die kroatische Adriaküste kann nun vom Balaton in 4 bis 5 Stunden erreicht werden. Kurz vor der kroatischen Grenze gibt es eine Abzweigung M 70 zur ungarisch-slowenischen Grenze. Über die M70 besteht seit 30. Oktober 2008 eine Autobahnverbindung nach Maribor und weiter nach Graz (slowenische A5). Durch die Autobahn M 7 hat insbesondere der Schwerlastverkehr am westlichen Südufer abgenommen.
Wirtschaft
Tourismus
2004 wurde rund eine Million Touristen mit 4,3 Mio. Übernachtungen in der Region um den Balaton gezählt, damit der größte Anteil am gesamten Tourismus Ungarns. Der Anteil deutscher Gäste am Gesamtaufkommen betrug 21,3 Prozent, das ist die Hälfte der ausländischen Touristen.
Fischerei
Die Fischerei hat eine über 2.000 Jahre alte Tradition am Balaton, was verschiedene archäologische Funde beweisen. Der Zander gilt als der „König des Balatons“. Die Fischbestände setzen sich vor allem aus dem Balaton-Zander (fogas, Fogasch oder Süllö), dem Aal, Amur, Blei, Güster, Hecht, Karausche, Karpfen, Schleie und Wels zusammen. Insgesamt leben 50 Fischarten im See, von denen ca. 15 Arten von Berufsfischern gefangen werden.
Weinbau
Der Weinanbau hat am Balaton – genauso wie in ganz Ungarn – eine lange Tradition, die weit über 2.000 Jahre zurück reicht. Im 3. Jahrhundert ließ Marcus Aurelius Probus weitläufige Weinpflanzungen anlegen. Später machte man sich in Keszthely um die Weinzucht verdient. 1797 wurde von György Festetics die erste europäische landwirtschaftliche Fakultät gegründet, heute gehört das Georgikon zur Universität Veszprém. Als im 19. Jahrhundert die Anbaugebiete am Balaton von der Reblauskatastrophe getroffen wurde, kamen viele Weinberge in den Besitz von Großstädtern, die darauf weitläufige Villen errichten ließen.
Die wichtigsten Weinbaugebiete am Balaton sind heute:
- Balatonmellék (westlich des Sees bis zur kroatischen Grenze)
- Badacsony (Nordufer): Olaszrizling (Welschriesling), Szürkebarát (grauer Mönch, eigentlich Grauburgunder oder. Pinot Gris), Kéknyelü (Blaustängler)
- Balatonfüred/Csopak (Nordufer): Olaszrizling, Furmint
- Balatonboglár (Südufer): Olaszrizling, Chardonnay, Leányka (Mädchentraube), Merlot, Cabernet Sauvignon
- Balatonfelvidék (Nordufer)
Weiter im Norden liegt das Anbaugebiet bei Somló.
Schifffart
Die erste Schiffsflotte auf dem See wurde durch die Familie Festetics aus Keszthely am Ende des 18. Jahrhunderts gegründet. Sie eröffneten 1777 die erste Fährverbindung zwischen Tihany und Szántód. Die Personenschifffahrt wurde nach dem Tod des Grafen György Festetics wenig später wieder eingestellt. Auf Initiative des Grafen Istvan Széchenyi wurde Anfang des 19. Jahrhunderts die Balatoner Dampfschiffahrtsgesellschaft gegründet. Zu Ehren des Dichters Károly Kisfaludy wurde das erste Dampfschiff der Flotte nach diesem benannt. Es wurden regelmäßige Fährverbindungen und ab Balatonfüred Ausflugsfahrten am Sonntagnachmittag angeboten.
Aufschwung bekam die Schifffahrt auf dem Balaton in den 1960er Jahren durch den Tourismus, der durch den Ausbau der Eisenbahn entlang des Sees begünstigt wurde.
Die meisten Orte haben einen Hafen, von da aus sind Veranstaltungsfahrten und Überfahrten möglich. Zwischen den Orten Tihanyrév am Nordwestufer (auf der Halbinsel Tihany) und Szántód am Südostufer verkehrt eine Autofähre, die Fahrzeuge in zehn Minuten über den See setzt.
Freizeit und Tourismus
Angelsport
Der große Artenreichtum an Fischen im See wird von Anglern genutzt. Karpfen, Hecht, Wels und Zander sind außerhalb der Schonzeiten fischbar. Insgesamt leben im Balaton 25 Fischarten. Rund um den See ist der Angelsport von Stegen und Charterbooten möglich, wenn Angelkarten (auch auf Campingplätzen) erworben wurden. Die durchgängige Berufsfischerei führte zu einem starken Rückgang des Fischbestandes. Besonders von der Überfischung betroffen ist der Spiegelkarpfen.
Segelsport
Der See ist das wichtigste touristische Gebiet des Segelsports in Ungarn, mit zahlreich gut ausgerüsteten Häfen und Yachtclubs. Trotz der geringen Tiefe bis zu 3,5 Meter fahren Segelyachten bis zu 50 Fuß Länge. Yachten kann man am See chartern. Allerdings existieren nur wenige Segelschulen und Vermieter, bei denen Segelboote ausgeliehen werden können. Ausnahme ist der Jollen-Verleih auf der Halbinsel. Boote mit Verbrennungsmotor sind grundsätzlich verboten, nur Ein- und Ausfahren in und aus Hafenanlagen sind für Segelboote mit Hilfsmotor erlaubt, auch bei einer Windstärke unter einem Beaufort ist Motornutzung erlaubt.
Surfsport
3-4 Windstärken im Jahresmittel machen den Balaton zum Surfrevier. April, Mai, September und Oktober sind die windreichsten Monate, Juli und August die windschwächeren Monate und auch für Anfänger geeignet. Die wenigen Surfschulen und Verleihe sind länger als 2 Monate geöffnet.
Radtouren
1990 kam der Fahrradtourismus zurück. Radwege wurden erneuert und neue erweitern das bestehende Netz. Seit 2004 gibt es den 200 km langen Rundweg um den See (Balatoni-Körút), und in allen grösseren Orten werden organisierte Radtouren inkl. Fahrrad- und Helmverleih angeboten. Da die meisten Züge Radabteile besitzen und auf den Schiffen die Mitnahme erlaubt ist, sind Tagestouren möglich.
Baden
Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts entwickelte sich der Badetourismus am Balaton, mit der Nutzung von Mai bis in den Spätherbst, besonders das Südufer ist geeignet. Hier ist das Wasser noch 200 bis 300 Meter vom Ufer entfernt weniger als einen Meter tief. Das Wasser des Binnensees ist seidig, da es schwach alkalisch ist. Baden für Hunde ist gesetzlich verboten.
Das Nationale Ministerium für Umweltschutz und Wasserwesen prüft regelmäßig, im Sommer 14-täglich, die Wasserqualität, die fast überall sehr gut ist. Allerdings sollten die staatlichen Vorschriften genau beachtet werden.
Veranstaltungen
- Balaton-Festival: im Mai in Keszthely
- Saisoneröffnung: im Mai Festliches Segelhissen in Balatonfüred
- Saisoneröffnung zu Pfingsten in Siófok (Mai/Juni)
- Internationales Folklorefestival Aranykagyló („Goldene Muschel“) im Juli in Siófok
- Kékszalag („Blaues Band“) Großer Preis, Segelregatta in Balatonfüred im Juli
- Anna-Ball im Juli in Balatonfüred
- Balaton-Ruderregatta von Alsóörs über Siófok nach Alsóőrs im Juli
- Durchschwimmen des Balaton von Révfülöp nach Balatonboglár im Juli
- Festival Művészetek völgye („Tal der Künste“)in Kapolcs und Umgebung, im Balaton-Hochland und nördlich vom Balaton: Dorffestival mit authentischem Kunsthandwerk, Theateraufführungen und Kinderprogrammen, das gleichzeitig im Juli in mehreren Dörfern stattfindet
- Weinwochen in Balatonfüred und in Balatonalmádi im August
- Leller Weinwoche in Balatonlelle im August
- Badacsonyer Winzerfest im September
- Balaton Sound Festival in Zarmadi (Juli)
Balatonboglár im Winter